Sanierung Untere Salzach bringt Sicherheit
Grenzüberschreitender Spatenstich zum nächsten Sanierungsabschnitt bei Oberndorf und Laufen
Gemeinsam gaben die Projektspartner Freistaat Bayern und Republik Österreich nun den Startschuss für einen weiteren Sanierungsabschnitt des Jahrhundertprojektes "Sanierung Untere Salzach".
Maßnahmenpaket
"Die sogenannte "aufgelöste Sohlabstufung" beim Salzach-Flusskilometer 51,9 ist ein weiterer integraler Bestandteil des Gesamtkonzeptes "Sanierung Untere Salzach". Bisher wurden Sicherungsmaßnahmen in der Laufen/Oberndorfer Fluss-Schlinge und ein Offenes Deckwerk flussabwärts Laufen/Oberndorf umgesetzt. Mit der Umsetzung des Gesamtkonzeptes wird die laufende, akute Sohleintiefung der Salzach saniert. Die aufgelöste Sohlabstufung wird künftig eine stabile Basis bilden, um die weitere Erosion bzw. weitere Eintiefungen zu verhindern. Eine weitere Folge der Anhebung des Wasserspiegels durch die Sohlabstufung: Es kommt zu einer "Anlandung", also dem Aufbau von mehr Untergrund. Dadurch wird der feine erosionsempflindliche Seeton überdeckt, eine Fortsetzung des vorhandenen Sohldurchschlages in Richtung Laufen/Oberndorf kann damit unterbunden werden", erklärt Landesrat Sepp Eisl die technischen Details.
"Ohne diese Maßnahme würden die vorhandenen Uferdeckwerke bei Hochwässern zerstört und damit unabsehbare Schadensfolgen für den Lebens- und Wirtschaftsraum der Grenzstädte Laufen/Oberndorf eintreten. Zusammen mit dem Konzept "Weiche Ufer" ergibt sich eine wesentliche Verbesserung des ökologischen Gesamtzustandes der Salzach in Richtung "Guter Zustand" nach den Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Eine angehobene Sohle hat auch zur Folge, dass das Nebengewässersystem wieder mit Wasser aus der Salzach versorgt wird, wodurch sich künftig die Lebensräume der angrenzenden Auen (Natura2000-Gebiete) durch vermehrte Wasserzufuhr und angehobenen Grundwasserspiegel wesentlich verbessern werden", so die stellvertretende Leiterin der Sektion Wasser, DDr. Dorith Breindl.
Die Baustelle für die aufgelöste Sohlabstufung liegt südlich der Städte Oberndorf und Laufen. In dem Abschnitt bildet die Flussmitte der Salzach die Staatsgrenze zur Bundesrepublik Deutschland, Freistaat Bayern. Auf österreichischer Seite liegt die Maßnahme im Gemeindegebiet Oberndorf und Nußdorf, durch baubedingte Radwegumleitung sind auch die Gemeinden Bergheim und Anthering berührt.
Für die Gesamtmaßnahme sind etwa 40.000 Tonnen Steinmaterial erforderlich. Begonnen wird nun im April 2009, seit Jänner 2009 wurde das Baufeld gerodet, im Mai 2010 soll der Bau planmäßig abgeschlossen sein. Die Ausführung der Sohlabstufung wird in 2 Bauphasen gegliedert: Zunächst wird der erste Teil der Sohlabstufung auf der österreichischen Seite im Schutz des vorhandenen Ufers bzw. eines Fangdammes in Rampenmitte errichtet, die Umleitung der Salzach erfolgt sodann über den fertig gestellten Teil. Der zweite Teil der Rampe (bayerischer Teil) wird anschließend im Schutz des Fangdammes sowie einer Baugrubenumschließung errichtet. Parallel zum Bau der Rampe erfolgt auf österreichischer Seite der Bau der Uferanpassung Nord. Die Kosten dieser Gemeinschaftsmaßnahme liegtbei rund 18,5 Millionen Euro. Das Projekt wird zu je 50% aus Mitteln des Freistaates Bayern und der Republik Österreich finanziert, zum österreichischen Anteil leistet das Land Salzburg einen Sonderbeitrag.
Gesamtprojekt Sanierung Untere Salzach
"Am 9. Oktober 2006 haben wir hier das Gesamtprojekt "Sanierung Untere Salzach", das uns in den kommenden Jahren noch öfter beschäftigen wird, vorgestellt. Mit einem innovativen Großprojekt wollen Österreich und Bayern gemeinsam die fortschreitende Eintiefung der Salzachsohle zwischen der Stadt Salzburg und Oberndorf bzw. Laufen bremsen. Regulierungsmaßnahmen haben die Flusslandschaft seit 1820 wesentlich verändert, neben gewollten Effekten wie Hochwassersicherheit und stabilen Flussufern kam es auf weiten Strecken zum Sohldurchschlag und zur Austrocknung der angrenzenden Auen. Verbauungsziel der Maßnahmen war neben der Schaffung von stabilen Flussufern zur Sicherung der Landesgrenze zwischen Bayern und Österreich auch die Verbesserung des Hochwasserschutzes für die angrenzenden Siedlungen. Die Salzach sollte durch technische Einbauten wie Verlandungsbauwerke und Querbauwerke in das vorgesehene Gewässerbett gedrängt werden. Nachdem größere Hochwässer zu Verlagerungen des Flusslaufes führten, ging man dazu über, die Salzach mit Parallelbauten zu regulieren. Die Flussbettbreite wurde ab dem Jahr 1873 von 150m auf ca. 115m reduziert, weitere Auflandungen wurden verhindert. Nach dem Hochwasser 1959 kam es zu einer Trendumkehr: Seither beobachten wir eine zunehmende, problematische Sohleintiefung, an manchen Stellen ist es bereits zum Sohldurchschlag gekommen", so Landesrat Sepp Eisl zur aktuellen Situation. "Als Folge der Sohleintiefung kam es zum Absinken des Grundwasserspiegels und somit zu einer Entkopplung des Flusses von den Auen mit gravierenden Änderungen für das Auenökosystem und dessen Strukturvielfalt."
Kritischer Zustand
Die Eintiefung der unteren Salzach hat einen kritischen Zustand erreicht. Die vorhandene Kiesauflage ist über weite Strecken bereits ausgeräumt bzw. ist nur mehr eine relativ dünne Schutzauflage über dem feinkörnigen Seeton vorhanden. Das Jahrhunderthochwasserereignis vom 12. August 2002 führte im Freilassinger Becken zu einem Sohldurchschlag auf einer Länge von mehreren Kilometern, wodurch dort der Seeton freiliegt. Da der Seeton nur einen sehr geringen Erosionswiderstand aufweist, ist die Standsicherheit der Böschungen entlang des Flusses gefährdet. Die Ergebnisse der Risikoanalyse bei Belassung der Salzach im Ist-Zustand zeigen erhebliche weitere Eintiefungen der Gewässersohle im Freilassinger Becken, im Ortsdurchgang Laufen/Oberndorf und folgend auch im Tittmoniger Becken. Auf der Grundlage der Wasserwirtschaftlichen Rahmenuntersuchung Salzach (WRS), der Gesamtuntersuchung Salzach (GUS) und der Risikoanalyse erarbeiteten Experten das Projekt „Sanierung der Unteren Salzach“.
klaus-peter.hanten@lebensministerium.at
22.06.2009, Lebensministerium VII/5


