Fließgewässer - Flüsse und Bäche
Wasserläufe waren und sind stets Entwicklungsadern menschlicher Siedlungs- und Wirtschaftstätigkeit in der Landschaft. Die oftmals von Menschen gesuchte „Nähe zu Flussläufen“ für Transport, als Nahrungsquelle, etc. kann auch Gefahren (z.B. verursacht durch Hochwasser) bergen.
Welche Einflüsse menschlicher Nutzungen auf Fliessgewässer gibt es?Bauwerke und Wasserentnahmen zur Nutzung der Wasserenergie, die Besiedlung flussnaher Räume und Schutzbauwerke zum Schutz gegen Hochwasser und eine intensive landwirtschaftliche Nutzung der Talniederungen zeigen ihre Wirkung auf Bäche und Flüsse:
- Infrastruktur, Siedlungen und Verkehrswege beengen den Lebensraum Wasser und sind bei Hochwasser gefährdet.
- Querbauwerke: z.B. Wehre unterbrechen die Durchgängigkeit der Flüsse.
- In Stauräumen oberhalb von Staumauern wird die Fließgeschwindigkeit reduziert, Schlamm lagert sich leichter ab, die Lebensräume der Gewässerlebewesen verarmen.
- Begradigung und Eindämmung der Flüsse führen zur Abtrennung von Nebengewässern und Eintönigkeit der Gewässerstrukturen.
- Übermäßige Wasserentnahmen bei Kraftwerken entziehen den Wasserlebewesen ihre Grundlage, Wasserschwall kann zu extremen Wasserspiegelschwankungen und Spülwirkungen führen.
- Erosion und Abschwemmung von Nährstoffen aus der Landwirtschaft führen zu Störungen im ökologischen Gleichgewicht in den Gewässern.
Seen und Fließgewässer wurden immer wieder durch Abwässer verunreinigt. Da heute die meisten Haushalte und Betriebe an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen sind und Abwässer nicht mehr direkt in Gewässer eingeleitet werden, gibt es wenige aktuelle Probleme und großteils wieder eine ausgezeichnete Wasserqualität.
Flüsse und Grundwasser
Flüsse und Grundwasser kennen keine Grenzen, sie beeinflussen sich gegenseitig. Jegliche Beeinflussung eines Flusses in seinem Oberlauf wirkt auf den Unterlauf und die dort lebenden Menschen, Tiere und Pflanzen. Deshalb wird das gesamte Einzugsgebiet eines Flusses einschließlich seines Grundwassers betrachtet und bewirtschaftet.
Ein Flusseinzugsgebiet umfasst einen Fluss von der Quelle bis zur Mündung in das Meer. Dazu gehören auch alle Seitenbäche und die Grundwässer, die in diesem Gebiet vorkommen.
Österreich hat Anteil an drei internationalen Flusseinzugsgebieten: Donau, Rhein und Elbe. 96 Prozent unseres Staatsgebietes liegen im Einzugsgebiet der Donau. Insgesamt liegen 10 Prozent der Fläche Europas im Einzugsgebiet der Donau. Das österreichische Flusseinzugsgebiet der Donau wurde in Planungsräume weiter unterteilt (Teileinzugsgebiete), um eine detaillierte Bearbeitung zu ermöglichen.
Gewässerschutz
Das österreichische Fließgewässernetz umfasst 250 Messstellen, an denen bis zu 24mal jährlich Wasserproben auf chemisch/physikalische Parameter geprüft werden. Untersuchungen der Sedimente (insbesondere auf Schwermetallbelastung) und die Bestimmung der biologischen Wassergüte werden einmal jährlich durchgeführt.
Der Gewässerschutz war bisher auf die Wasserreinhaltung, also das Fernhalten von abbaubaren organischen Stoffen, von Nährstoffen und Schadstoffen ausgerichtet. Heute rückt der Aspekt der Gewässerstruktur und damit des Gewässerlebensraumes in den Vordergrund.
Aus diesem Grund wurde der Begriff „Gewässerschutz“ um die ökologische Komponente erweitert, die zentraler Bestandteil der EU-Wasserrahmenrichtlinie ist. Die Orientierung am natürlichen Zustand, die Sicherstellung der Reproduktionsfähigkeit von Wasserorganismen und die Durchgängigkeit der Gewässer sind hier wichtige Aspekte.
Gewässerbetreuungskonzept
Um den geänderten Anforderungen einer ökologisch ausgerichteten Planung des Hochwasserschutzes in Verbindung mit dem Schutz des Gewässerlebensraumes zu entsprechen, hat die Bundeswasserbauverwaltung im Lebensministerium das ”Gewässerbetreuungskonzept“ als übergeordnetes Planungsinstrument für die Schutzwasserwirtschaft entwickelt.
In Zusammenarbeit mit der Raumplanung gilt es in Hinkunft, diese „gesuchte Nähe zum Fluss“ unter Berücksichtigung von Gefahrenzonenplänen so zu gestalten, dass die Menschen und ihr Siedlungsraum durch das Wasser nicht gefährdet werden.
Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)
Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie gibt allen Mitgliedstaaten der EU den Rahmen und die Ziele für den Schutz der Gewässer sowie für die Einbindung der Öffentlichkeit vor.
Gewässer sind allerdings nicht nur wichtige Lebensräume für Fische und Kleintiere und Standorte für Pflanzen, sie sind auch Lebens-, Erholungs- und Erlebnislandschaften für uns Menschen. Diese an die Gewässer gestellten Ansprüche sind äußerst vielfältig und treten zum Teil miteinander in Konkurrenz. Bei den zukünftigen Maßnahmen im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie und unter Beachtung der Nachhaltigkeit müssen die Ansprüche der Menschen mit jenen der Ökologie in Einklang gebracht werden.
Durch die WRRL werden die Bestrebungen in Österreich unterstützt, die Notwendigkeit des Hochwasserschutzes, die Wasserkraftnutzung sowie die nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raumes mit den Erfordernissen des Gewässerschutzes zu harmonisieren. So wird die Sicherung naturnaher Lebensräume mit der landwirtschaftlichen Nutzung und Besiedelung der Täler weitgehend vereinbar gemacht.
Ist-Bestandsaufnahme 2005 der WRRL
Die WRRL schreibt vor, dass Gewässer in Abschnitte (= Wasserkörper) eingeteilt werden und in einem ersten Schritt die Auswirkungen menschlicher Tätigkeiten auf den Gewässerzustand abgeschätzt werden. Anschließend ist der Zustand mittels Messprogramm zu überwachen, um schließlich daraus Maßnahmen für die Zustandsverbesserung abzuleiten.
In Österreich wurden bisher folgende Gewässer analysiert:
- 940 Wasserkörper von Fließgewässern mit einem Einzugsgebiet von jeweils mehr als 100 km2 (Gesamtlänge von 11.500 km).
- 62 Seen mit jeweils mehr als 50 ha Fläche.
- 162 oberflächennahe Grundwasserkörper, die in ihrer Gesamtheit Österreich abdecken, ein Thermalwasserkörper und acht Gruppen von Tiefengrundwasserkörpern.
Der Zustand dieser Gewässer wurde nach mehreren Kriterien abgeschätzt. Betrachtet wurde, wie stark die Gewässer von menschlichen Nutzungen, also der Einleitung von Schad-, Schmutz- und Nährstoffen sowie Eingriffen in das Abflussverhalten und Verbauung, beeinflusst sind.
Die Messgrößen beziehen sich auf biologische und chemisch-physikalische Kennzahlen und Merkmale der Gewässerstruktur, die so genannten „hydromorphologischen Komponenten“:
Biologische Komponenten: Algen, Wasserpflanzen, am Gewässerboden lebende Kleintiere und Fische.
Chemisch-physikalische Komponenten: allgemeine Kenngrößen, wie z.B.: Temperatur, Sauerstoff, abbaubare organische Substanzen), Nährstoffe (Stickstoff- und Phosphorverbindungen) und gefährliche Stoffe.
Hydromorphologische Komponenten: Gestalt des Gewässers, seiner Uferbereiche sowie der Flusssohle, Abflussverhalten, Zustand des Lebensraumes für Fische, Kleinstlebewesen und Pflanzen.
Zentrales Ziel „guter ökologischer Zustand“
Mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie wird die Aufrechterhaltung funktionierender Lebensgemeinschaften im Gewässer zum zentralen Ziel. Dieser Zielzustand wird als „guter ökologischer Zustand“ bezeichnet. Wo funktionierende structural Lebensgemeinschaften im Gewässer bereits empfindlich gestört sind, wird deren Wiederherstellung als Hauptaufgabe definiert.
Laut EU-Richtlinie soll dies bis zum Jahr 2015 erreicht werden. Eine Bestandsaufnahme der österreichischen Gewässer wurde vorgenommen. Diese beschreibt den derzeitigen Zustand des Grundwassers, der Flüsse, Bäche und der Seen.
Handlungsbedarf hat Österreich teilweise bei der Erreichung eines „guten ökologischen Zustandes“. Die Hauptgründe, warum Flüsse und Bäche heute oftmals in ihrer Struktur verändert sind, liegen vielfach im auf den Talboden beschränkten Siedlungs- und Wirtschaftsraum, dem Hand in Hand gehenden Hochwasserschutz und der Nutzung der Wasserkraft. Die Verbesserung dieses Zustandes wird in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen als bisher. Projekte dazu sind bereits in Angriff genommen.
Ökologische Situation der Oberflächengewässer heute
Die Wasserqualität der österreichischen Gewässer ist zum größten Teil wieder sehr gut. Organische und chemische Schadstoffe aus industriellen und kommunalen Quellen konnten großteils beseitigt werden. Die Investitionen in die Abwasserreinigung haben sich somit gelohnt. Gefährliche Stoffe konnten nur sehr selten nachgewiesen werden. In Bezug auf organische Verschmutzung und Nährstoffbelastung entsprechen rund 80 Prozent des untersuchten Gewässernetzes jedenfalls dem guten Zustand.
Weniger günstig stellt sich die Situation der Struktur der Flüsse dar (= hydromorphologische Situation). Für rund 56 Prozent des bewerteten Fließgewässernetzes wird eine Verfehlung des guten Zustandes abgeschätzt. Ein ähnliches Ausmaß wurde auch in vielen anderen europäischen Staaten festgestellt. Diese Probleme sind meist historisch durch die Nutzung der Wasserkraft und den Schutz vor Hochwässern sowie durch die Gewinnung landwirtschaftlicher Produktionsflächen begründet.
Weiters wurde bei stark verbauten Gewässern untersucht, ob die Herstellung des guten ökologischen Zustandes negative Auswirkungen auf bestehende Nutzungen haben könnte. Darunter fallen 44 Prozent der untersuchten Fließgewässerstrecken. Sie wurden vorläufig als „künstliche oder erheblich veränderte „ Gewässer ausgewiesen. Weitere Untersuchungen sind notwendig, um eine endgültige Zuordnung zu treffen, die bis 2009 anzuschließen ist. Für solche Gewässerabschnitte würden dann abgeminderte Güteziele gelten.
Ziele der österreichischen Wasserpolitik
Wo liegen die zukünftigen Herausforderungen? Die österreichische Wasserpolitik setzt sich zum Ziel, die Vorgaben der WRRL effizient umzusetzen. In den so genannten „Flussbewirtschaftungsplänen“ muss festgelegt werden, wie der Zielzustand für die einzelnen Flussgebiete erreicht werden kann.
Generell sollen Flüsse ihre dynamischen Lebensräume wieder erhalten, sie sollen frei fließen und sich in ihrer Umgebung ausbreiten können, Fische dürfen nicht durch Querbauwerke behindert werden, um ihre Laichplätze erreichen zu können. Unterhalb von Ausleitungskraftwerken muss ausreichendes Restwasser fließen. Auch die Vernetzung von Nebengewässern mit den Hauptgewässern ist wichtig. In den intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten ist verstärkt auf die Vermeidung von zu hohen Nährstoffeinträgen in Oberflächen- und Grundwasser zu achten.
22.02.2008, Lebensministerium Öffentlichkeitsarbeit


