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Grundwassermessstelle im Ackerbaugebiet
Foto: BMLFUW

Grundwasser

Unter Grundwasser versteht man unter der Erdoberfläche befindliches Wasser, das die Hohlräume der Erdrinde (Poren, Klüfte, etc.) zusammenhängend ausfüllt, unter gleichem oder größerem Druck steht als er in der Atmosphäre herrscht, und dessen Bewegung durch Schwerkraft und Reibungskräfte bestimmt wird.

Grundwasserarten
Dem Aufbau der Erdkruste entsprechend, unterscheidet man verschiedene Grundwasserarten:
  • Porengrundwasser (in porösen Festgesteinen und in Kies und Schotterbereichen)
  • Kluftgrundwasser (in geklüfteten und geschichteten, nicht verkarsteten Festgesteinen)
  • Karstgrundwasser (in verkarsteten Festgesteinen).
  • Von besonderer Bedeutung sind weiters lokale Thermal-, Heil- und Mineralwasservorkommen.
Menschliche Einflüsse auf das Grundwasser
Wenn Grundwasser verunreinigt wird, so braucht seine Gesundung sehr lange, da sich Grundwasser nur sehr langsam erneuert. Bedrohlich sind vor allem Chemikalien, die in den Boden einsickern.
 
Folgende Einflüsse können maßgeblich sein: 
  • Nitrat insbesondere aus intensiver Bodennutzung in Landwirtschaft, Garten- und Weinbau.
  • Schadstoffe aus Industrie, Gewerbe und Verkehr.
  • Öl aus lecken Tanks, Abwässer aus undichten Kanälen, Altlasten und Mülldeponien.
  • Freilegung des Grundwassers durch Entnahme von Sand, Kies und Steinen.
Grundwasser als Trinkwasser
Während 50 Prozent der österreichischen Bevölkerung mit Quellwasser versorgt werden, beziehen etwa 50 der österreichischen Bevölkerung ihr Trinkwasser aus dem Grundwasservorkommen der zum Teil mächtigen quartären Tal- und Beckenfüllungen, die gleichzeitig einer intensiven Nutzung durch Siedlungen, Industrie, Landwirtschaft und Verkehr unterliegen.
 
Diese Flächen betragen in Österreich ca. 13.000 km. Seit Ende 1991 wird die Wassergüte in Österreich im Auftrag des Lebensministeriums und der Länder durch private und öffentliche Auftragnehmer systematisch erhoben.
 
Ziel dieses Programms ist die Erfassung des Zustandes der Grundwässer und der Flüsse und Bäche Österreichs sowie allfälliger Trends, um im Falle festgestellter Belastungen gegensteuernde Maßnahmen auf einer gesicherten Datenbasis ergreifen zu können.
 
Kontrolle der Wassergüte des Grundwassers
Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Parameter, die in Bezug auf die mögliche Trinkwassernutzung festgelegten Vorsorgegrenzwerte deutlich unterschreiten. Rund 93 Prozent der untersuchten Grundwasserkörper (diese umfassen rund 96 Prozent der österreichischen Staatsfläche) werden den guten chemischen Zustand voraussichtlich erreichen.
 
Bei den restlichen Grundwasserkörpern treten erhöhte Werte zufolge von Nitrat, Atrazin und dessen Abbauprodukt Desethylatrazin im Grundwasser auf. Die Belastungen von Atrazin und Desethylatrazin sind deutlich rückläufig, da dieses Pflanzenschutzmittel seit 1995 in Österreich verboten ist.
 
Gegenmaßnahmen liegen vor allem in einer vermehrten grundwasserschonenden Landbewirtschaftung, wie durch die biologische Landbewirtschaftung, Aufgabe von Agrarflächen zugunsten von Wald, Maßnahmen der Extensivierung der Landwirtschaft im Rahmen von ÖPUL oder dem Grünen Pakt, Verzicht auf Pflanzenschutzmittel, u.a.. 
 
Die Wasserkörper der Grund- und Oberflächengewässer stehen in Kontakt. Geordnete Abwasserentsorgung, vor allem auch im industriellen und gewerblichen Bereich, aber auch der Siedlungswasserwirtschaft, wie auch geordnete Abfallentsorgung und Altlastensanierung, bedeuten immer auch Grundwasserschutz.
 
Hier wurde in Österreich in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht durch Festlegung von Emissionsgrenzwerten für Industrie und Gewerbe sowie die Berücksichtigung des Schutzes von Wasserressourcen schon im Planungsprozess für Industrieanlagen. Sowie durch den Ausbau und die Instandhaltung der Kanalnetze sowie von Abwasserreinigungsanlagen; Maßnahmen zur Altlastensanierung sowie strenge Regelungen für die Behandlung und Entsorgung von Abfällen.
 
Abwasser wird erst nach einer mechanischen und biologischen Reinigung sowie einer in überwiegendem Maße durchgeführten Nährstoffreduktion dem Kreislauf wieder zurückgeführt.
 
Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) - Ist-Bestandsaufnahme 2005
Die europäische Wasserrahmenrichtlinie schreibt vor, dass Gewässer in Abschnitte (= Wasserkörper) eingeteilt werden und in einem ersten Schritt die Auswirkungen menschlicher Tätigkeiten auf den Gewässerzustand abgeschätzt werden. Anschließend ist der Zustand mittels Messprogramm zu überwachen, um schließlich daraus Maßnahmen für die Zustandsverbesserung abzuleiten.
 
In Österreich wurden bisher folgende Gewässer analysiert:
  • 940 Wasserkörper von Fließgewässern mit einem Einzugsgebiet von jeweils mehr als 100 km2 (Gesamtlänge von 11.500 km).
  • 62 Seen mit jeweils mehr als 50 ha Fläche.
  • 162 oberflächennahe Grundwasserkörper, die in ihrer Gesamtheit Österreich abdecken, ein Thermalwasserkörper und acht Gruppen von Tiefengrundwasserkörpern.
 
Das Ziel der WRRL, die im Dezember 2000 in Kraft trat und im Dezember 2003 in österreichisches Recht umgesetzt wurde, ist die Erreichung eines guten Zustandes für alle Gewässer bis 2015. Eine Verschlechterung der Gewässer ist zu verhindern.

22.02.2008, Lebensministerium Öffentlichkeitsarbeit