Die Chronologie der Hochwasserkatastrophe vom 21. - 23. August 2005
Durch die ergiebigen Niederschläge am 21. August 2005 entstand in Ostkärnten, in der südlichen und östlichen Steiermark sowie im südlichen Burgenland und Niederösterreich eine Hochwassersituation. Binnen weniger Stunden fallen Unmengen an Regen und verursachen verheerende Schäden an Häusern und Infrastruktur.
In der Steiermark waren kritische Bereiche die Mur unterhalb von Bruck, wo ein HQ5-10 auftrat, ebenso die Grazer Bäche.Katastrophale Starkniederschläge (200 mm in 18 Std.) führten am Sonntag, den 21. Aug. zu Überschwemmungen in der Oststeiermark. Besonders betroffen war der Bezirk Weiz, im Bereich um die Fischbacher Alpen (die Gemeinden Gasen, Haslau, Waisenegg, Passail und Breitenau) und auch in einigen Gemeinden im Bezirk Bruck.
Der Starkregen löste massive Hangrutschungen aus und es wurden Häuser vermurt. Es mussten 50 weitere Gebäude evakuiert werden. Leider sind in Gasen ein Todesopfer und mehrere Verletzte zu beklagen.
In Teilen von Kärnten wurden ebenfalls große Schäden angerichtet. Hochwasserereignisse und Muren traten vor allem im Bereich des Lavanttales (Bezirk Wolfsberg) auf.
In Niederösterreich traten kleinere Hochwässer an der Lainsitz, an der Thaya, am Kamp, an der Leitha und im südlichen Niederösterreich auf. Im südlichen NÖ haben Unwetter am Sonntagnachmittag zu einem Murenabgang im Wechselgebiet geführt. Im Bezirk Wiener Neustadt sind zahlreiche Bäche über die Ufer getreten und überfluteten Häuser und Verkehrswege.
Im Burgenland wurden an der Raab ein HQ25 und an der Lafnitz ein HQ5 verzeichnet.
Im Laufe des Nachmittags des 22. August verlagerten sich die Niederschläge auf den westlichen Teil Österreichs. In weniger als 24 Stunden fielen in Tirol und Vorarlberg 120-230 mm (1 mm = l/m²) und führten in der Nacht vom 22. -23. August in Vorarlberg, im Tiroler Oberland und im Außerfern zu einer extremen und großflächigen Hochwassersituation.
In Vorarlberg traten nahezu alle Fließgewässer über die Ufer. An der Bregenzerach bei Mellau und Kennelbach sowie bei Laterns/Frutz traten Jährlichkeiten von weit über HQ100 auf, somit war das Ereignis noch größer als das im Jahr 1999.
In der Nacht auf den 23. August wurde in Vorarlberg die Lage kritisch, als durch schwere Murenabgänge die Mobil- und Telekommunikation in weiten Teilen des Landes zusammenbrach.
Im Kleinwalsertal führen die heftigen Regenfälle zu zahlreichen Murenabgänge und Bachüberflutungen.
Es gab die ersten Verletzten. In der Gemeinde Reuthe kam es in einem Wohnhaus zu einer Gasexplosion, nachdem das Hochwasser die Haustüre eingedrückt hatte.
Von den Folgen der anhaltenden starken Regenfälle waren sämtliche Landesteile betroffen. Der Bahnbetrieb in ganz Vorarlberg wurde am Dienstag aufgrund der Schäden durch Muren und Unterspülungen eingestellt. Zahlreiche Orte in Vorarlberg sind nicht erreichbar.
Am Abend des 23. August 2005 lassen die Niederschläge nach und eine Entspannung ist absehbar.
Die Pegelstände der Flüsse gehen teilweise bereits seit den Mittagsstunden zurück. Die Kommunikationswege sind seit Mittag wieder benutzbar.
Viele Straßen sind noch gesperrt, das Kleine Walsertal und Lech sind noch nicht erreichbar. Im gesamten Katastrophengebiet sind die Einsatzkräfte voll mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt bzw. stellenweise noch im Sicherungseinsatz um weitere Schäden zu verhindern.
Die Schäden betreffen praktisch das gesamte Bundesland, einzig der Vorderwald musste im Vergleich, nur geringere Schäden erleiden.
In der Nacht auf Dienstag, 23. August, führen die Starkregen in Tirol zur Hochwasserkatastrophe. An der Sanna wurden (Trisanna aus dem Paznauntal und Rosanna aus dem Arlberggebiet) Extremereignisse von weit über HQ100, möglicherweise ca. HQ5000 beobachtet. Im Außerfern fanden am Lech massive und lang anhaltende Ausuferungen statt. Dort und an den anderen Gewässern im Nordalpenraum wurden ebenfalls Abflüsse mit einer Jährlichkeit über HQ100 verzeichnet.
Am Dienstagmorgen bricht im Oberen Lechtal die gesamte Stromversorgung zusammen.
In der Gemeinde Längenfeld gibt es einen Toten und einen Schwerverletzter nach einem Abgang einer Steinlawine.
Die Hochwassersituation im Westen Österreichs wird unterdessen im Laufe des Dienstages weiter dramatisch.
Im Bezirk Reutte spitzte sich die Hochwassersituation weiter zu. Bei Pflach brach ein Damm. 100 Häuser sowie Campingplätze mussten evakuiert werden. Weitere Evakuierungen gab es vor allem auch im Bezirk Landeck.
Der Larsenbach, Gde. Mils, förderte große Mengen Geschiebe, die durch laufende Ausbaggerungen kaum bewältigt werden können. Durch Einstoß in den Inn ist die Gefahr des Ausbruches gegeben.
Am 23. August lief im Tiroler Inn ein Hochwasser der Jährlichkeit über HQ100 ab. Bei Innsbruck wurde der Ausuferungsbereich erreicht. Am Nachmittag verlagerten sich die Niederschläge Richtung Osten ins Tiroler Unterland bis zum Salzkammergut.
Die wesentlichen Schäden sind im Bereich der größeren Flüsse, Trisanna, Rosanna, Inn etc. entstanden. Momentan besteht das Problem, dass das Paznaun praktisch nicht erreichbar ist und die Talstrasse auf ca. 30 % zerstört ist. Auch die gesamte Trisannaverbauung ist „verschwunden“.
Die Inntalautobahn ist derzeit unterbrochen und in Wörgl steht ein Stadtteil unter Wasser. Weite Teile des Landes sind derzeit ohne Strom und das Hauptproblem ist, die Logistik wieder herzustellen.
Eine kritische Situation entstand auch im Oberpinzgau in Mittersill/Salzach, da die beim Juli-Hochwasser beschädigten Dämme noch nicht wieder ihre volle Funktionsfähigkeit erreicht hatten. Oberhalb von Mittersill kam es lokal zu Ausuferungen.
Am 24. August erreichte die Hochwasserwelle den unteren Inn. Der Höchststand bei Schärding betrug um 16:00 4100 m³/s, was einer Jährlichkeit von HQ10 entspricht. Im Laufe des Abends wurden an der oberösterreichischen Donau die Höchststände (Linz 669 cm, Mauthausen 629 cm) erreicht, an der niederösterreichischen Donau (Kienstock 722 cm, Korneuburg 617 cm) erst in den Morgenstunden des 25. August. Für Wildungsmauer wird der Scheitel mit 650 cm zu Mittag des 25. August erwartet und wird bis in die Nachmittagsstunden andauern, anschließend fallen. Bei Linz/Donau wurden Abflüsse der Jährlichkeit von HQ5 erreicht. An den Donaupegeln weiter unterhalb betrugen die Abflüsse im Bereich Mauthausen – Ybbs – Kienstock ca. 6000-6100 m³/s und im Raum Wien ca. 6200 m³/s. Diese Abflüsse entsprechen Jährlichkeiten von HQ2-5.
Tausende Feuerwehrleute und das Bundesherr versuchten alles um die Schäden zu begrenzen. Noch in der Nacht zum Montag waren MitarbeiterInnen der Wildbach- und Lawinenverbauung vor Ort.
Am Dienstagmorgen wurden alle Arbeiter, sowie alle verfügbaren Bagger und LKW von den Baustellen zum Katastropheneinsatz abgezogen und für die Räumungen der Gerinne, Geschiebebecken, Brücken etc. eingesetzt. Die TechnikerInnen der Wildbach- und Lawinenverbauung sind in den Krisenstäben vertreten.
Eine erste Einschätzung der Ereignisse ist den angefügten Dokumenten (Übersicht der betroffenen Gewässer und Tabelle der HQ) zu entnehmen.
Binnen weniger Stunden fallen Unmengen an Regen, überschwemmen einen Großteil von Österreich und verursachen verheerende Schäden an Häusern und Infrastruktur. Besonders betroffen sind die Steiermark, Vorarlberg und weite Teile von Tirol.
Downloads
Hochwasserbetroffene Gemeinden (PDF 3017,72 kB )
Übersicht der betroffenen Gewässer (PDF 1105 kB )
Tabelle der HQ (PDF 16,56 kB )
26.04.2006, Lebensministerium VII/5


